DIE WASENLÖCHER VERSTEHEN

Untersuchungen sollen zeigen, wie Wasser und Boden im Naturschutzgebiet zusammenspielen
Im Juli beauftragte die Stadt Vöhringen ein Ingenieurbüro, den Wasserhaushalt und den Boden im Naturschutzgebiet „Wasenlöcher bei Illerberg“ genauer zu untersuchen. Ziel der Analyse ist es, die besonderen Bedingungen vor Ort besser zu verstehen und herauszufinden, wie sich der Wasserhaushalt langfristig stabilisieren und das wertvolle Niedermoorgebiet erhalten lässt – ohne dass landwirtschaftliche Flächen darunter leiden müssen.
Vergangene Woche begannen nun die ersten Untersuchungen und Vorbereitungen für die umfangreichen Messungen im Gelände. Zum einen soll der Wasserstand über den Zeitraum eines Jahres regelmäßig erfasst werden. Zum anderen werden die verschiedenen Bodenschichten und insbesondere die Mächtigkeit der Torfschicht dokumentiert.
Schon die ersten Untersuchungen zeigen, wie abwechslungsreich das Gebiet aufgebaut ist. Torfmächtigkeit und Bodenfeuchte unterscheiden sich von Standort zu Standort teilweise erheblich. An einer Probestelle wurde beispielsweise in einer Tiefe unterhalb von 3 m eine Schicht mit Sedimentablagerungen gefunden. Darin fanden sich zahlreiche winzige Schneckenhäuser – möglicherweise mehrere Jahrtausende alt. Besonders spannend: Unterhalb der Sedimentschicht setzte sich die Torfschicht erneut fort. Eine derart mächtige Torfablagerung lässt das Herz so manchen Natur- und Bodenkundlers höherschlagen. Doch längst nicht an allen Untersuchungsstellen wurde eine vergleichbare Torfmächtigkeit festgestellt.
Auch bei der Bodenfeuchte zeigt sich ein ausgesprochen vielfältiges Bild. Während man manche Bereiche des Grünlandes problemlos trockenen Fußes durchqueren kann, steht an anderen Stellen Wasser flach über dem Waldboden. Diese Unterschiede machen deutlich, wie wichtig es ist, den Wasserhaushalt nicht nur an einzelnen Punkten, sondern im gesamten Naturschutzgebiet zu betrachten.
Deshalb wurden an insgesamt 14 Stellen sogenannte Torfgrundwassermessstellen eingerichtet. Dafür werden Rammfilter – durchlöcherte Rohre mit einer Spitze – in den Boden eingebracht. Über diese Messstellen kann künftig regelmäßig der Wasserstand innerhalb des Torfkörpers kontrolliert werden. Die Messungen über ein gesamtes Jahr sollen zeigen, wie stark die Wasserstände schwanken und wie sich Niederschläge, Trockenperioden und Jahreszeiten auf den Wasserhaushalt auswirken.
Damit aber nicht nur der oberflächennahe Wasserstand betrachtet wird, werden Anfang Oktober zusätzlich Kiesgrundwassermessstellen eingerichtet. Diese reichen tiefer in den Untergrund und bestehen aus größeren Rohren. Für deren Einbau wird deshalb eine Spezialfirma zum Einsatz kommen.
Um den Wasserhaushalt möglichst vollständig zu erfassen, werden außerdem die Schüttungen der Hangquellen sowie der Abfluss aus dem Gebiet wiederholt gemessen. Erst das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Messungen kann ein umfassendes Bild davon liefern, woher das Wasser kommt, wie es sich im Gebiet bewegt und wo es wieder abfließt.
Die ersten Arbeiten haben damit bereits interessante Einblicke in den Untergrund der Wasenlöcher ermöglicht. Gleichzeitig stehen viele Fragen noch offen. Wie verändert sich der Wasserstand im Laufe der Jahreszeiten? Welche Bedeutung haben die Hangquellen für das Gebiet? Und wo liegen möglicherweise Ursachen für trockene Bereiche oder besonders nasse Standorte? Wie lassen sich Auswirkungen auf angrenzende Flächen verhindern?
Denn je besser die Zusammenhänge zwischen Boden und Wasser verstanden werden, desto gezielter können später Maßnahmen entwickelt werden, um den Wasserhaushalt der Wasenlöcher langfristig zu stabilisieren und gleichzeitig ein Handeln im Einklang mit landwirtschaftlichen Bedürfnissen zu gewährleisten.
Die hydrologischen Untersuchungen werden über „Aktionsprogramm Natürlich Klimaschutz“ (ANK) vom Bund über das Förderprogramm „1000 Moore“ bezuschusst.


