Neujahrsempfang 2017

Ein äußerst gelungener Auftakt zum Jubiläumsjahr 40 Jahre Stadt Vöhringen

war gleich zu Beginn des Neuen Jahres 2017 der traditionelle gemeinsame Neujahrsempfang der Pfarrei St. Michael Vöhringen, der Pfarrei St. Martin Illerberg, St. Ulrich Illerzell und der Stadt Vöhringen.

Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Handel und Gewerbe,

Ärzteschaft, ambulante und stationäre Krankenpflege, Schule und Vereine hatten sich im Josef-Cardijn-Haus eingefunden.

Beeindruckend war allein schon der musikalische Auftakt mit Katharina Bucher am Saxophon, mit dem Allegro, Largo et Final von Georg Friedrich Händel,  begleitet von Herrn Yen Akira Sagawa am Flügel.

Pfarrer Martin Straub lehnte sich in seiner Ansprache an den japanischen Kunstforscher Kakuzo Okakara an, der anfangs des vergangenen Jahrhunderts bereits festgestellt hatte, dass der Westen im Fortschrittsglauben erstarrt sei und seine innere Mitte im rasenden Streben nach Effizienz verloren habe.

Pfarrer Martin Straub sah in dieser „Zweckfreiheit“ eine Handlungsweise, die um ihrer selbst willen getan werde und sich jeglicher Nützlichkeit entziehe.

Diese sog. Zweckfreiheit sei aber nicht der Besitz eines bestimmten Kontinents.

Dass ein Japaner das christliche Abendland daran erinnern müsse, entbehre nicht einer gewissen Tragik.

Denn der Gedanke der Zweckfreiheit sei im Grunde zutiefst christlich.

Ein völlig „verzwecktes Leben“ könne kein echtes Leben sein.

Deshalb sei es nötig, die wahrhaft christliche Lehre von der Allmacht Gottes wieder neu zu entdecken.

Zum Schluss seiner Ansprache griff Pfarrer Martin Straub die Losung auf:

„Pass  auf die kleine Flamme im Herzen auf. Ist diese Flamme einmal aus, ist es langwierig und schmerzvoll, sie wieder zum Brennen zu bringen.“

Mit diesen Gedanken wünschte er allen Gästen Gottes Segen zum Neuen Jahr.

Bürgermeister Karl Janson wünschte der Bürgerschaft und den Gästen gleichfalls ein gutes, erfolgreiches, gesundes und vor allem friedvolles Neues Jahr 2017.

Das Jahr 2016 sei bereits Vergangenheit.

Es werde wohl allen als ein Jahr in Erinnerung bleiben, das weitaus anders

verlaufen sei, als man sich das zu Silvester vor einem Jahr vorstellen habe können.

„Das Jahr 2016 war im Grunde auch ein schreckliches Jahr:

Angefangen mit dem Ausbruch des Zika-Virus, dann kam der „Brexit“ und ein nordkoreanischer Atomtest.

Russische Kampfflieger bombardierten die syrische Stadt Aleppo in Grund

und Boden, anschließend fiel die Soldateska des Regimes in den Ruinen über die Überlebenden her.

Im November 2016 wurde nach einem mehr als beschämenden Wahlkampf

Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gewählt.

Letztlich sind und waren all die vielen fast unzähligen weltweiten grausamen Akte von Terror und Gewalt wie zuletzt auch in unserem Lande, in Berlin zu beklagen.

Und doch:

Beim bloßen nüchternen geschichtlichen Rückblick betrachtet:

Die Welt war eigentlich nie besser.

Nie war die Menschheit reicher, nie gab es weniger Hunger und auch nie gab es sogar weniger Gewalt.

Dies solle aber beileibe nicht heißen, dass alles schon ganz von allein besser werde.

Es heiße nur, dass es (noch) keinen Grund gibt, sich der Verzweiflung und bloßen Ängsten hinzugeben.

Dies wäre der falsche Weg.

Sicherlich, wir alle gehen das Neue Jahr 2017 mit weniger Leichtigkeit als noch vor einem Jahr an, so Bürgermeister Janson.

Die Probleme der Welt seien größer und komplexer geworden, auch die Probleme in unserem Land.

Auch das „Schwarz-Weiß-Denken“ , die zunehmende Spaltung der Gesellschaft sowie die gefährlichen Vereinfachungen.

Das Wort des Jahres 2016 „postfaktisch“ verdeutliche dies gleichfalls.

Frei übersetzt beschreibt dieser Begriff „postfaktisch“ einen gesellschaftlichen Zustand, in der die Fakten keine Bedeutung mehr haben.

Er beschreibe, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten gehe.

Immer größere Bevölkerungsschichten seien in ihrem Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, selbst Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren.

Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der „gefühlten Wahrheit“ führe im „postfaktischen Zeitalter“ zum Erfolg.

Es gebe mittlerweile bereits einen sehr großen Markt für Falschmeldungen.

Aber, es gäbe andererseits keine Demokratie ohne Fakten, so Bürgermeister Janson.

Die politische Auseinandersetzung in einer Demokratie funktioniere nur dann, wenn Argumente geprüft, verworfen oder übernommen werden.

Ohne Fakten gäbe es nur noch Emotionen, Bauchgefühl und Geschrei.

Die Zukunft oder eine gute Zukunft liege nach wie vor in einem respektvollen Miteinander, ohne dass wir den anderen verletzen oder ihm unsere Auffassung und unseren Lebensstil aufzwingen.

Dafür brauchen wir Menschen, die für Begegnungen sorgen und auch bereit sind,

einen vorurteilsfreien Dialog mit dem anderen zu führen.

Nur so könne man auch die vielen vorhandenen Vorurteile,

die oftmals unbegründeten Ängste und all den Fremdenhass abbauen.

Oberste Richtschnur sollte uns allen immer wieder auch die Menschenwürde jedes einzelnen sein.

Dies heiße nicht, dass jeder überall hingehen kann und dort auch Aufnahme finden muss.

Dies heiße, auf unsere gegenwärtige Flüchtlingssituation angesprochen,

dass jeder menschenwürdig behandelt wird und auch ein faires Verfahren bekommt.

Und vor allem müssen wir bei den Ursachen ansetzen und dafür sorgen, dass sich immer weniger Menschen auf die Flucht begeben müssen.

Was uns in dieser Hinsicht aber mehr als hoffnungsvoll stimmen dürfte

und sollte, sei die phänomenale Bereitschaft zu helfen, vor allem in unseren Pfarrgemeinden und in unserem Land, in unseren Städte und Gemeinden, so auch in Vöhringen.

„Diese Hilfsbereitschaft werden wir wohl noch weiter brauchen, vor allem, wenn es um die Integration der Flüchtlinge gehe.

Wir haben in den letzten Jahren in unserer Stadt Vöhringen viel erreicht und bewegt, auf das wir auch stolz sein dürfen.

Wir haben dies in gemeinsamen Bemühungen erreicht.

Unsere Anstrengungen haben sich gelohnt.

Unsere Tatkraft und Innovationsfähigkeit hat sich ausgezahlt.

Wir haben viele zukunftsweisende Investitionen vorgenommen.

Dies ermöglichte unsere solide Arbeit in der Stadtverwaltung, die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Rat und auch das Engagement einer großen Zahl der ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger in der Stadt, wie auch unserer heimischen Wirtschaft.

Wir wollen unsere Stadt Vöhringen auch weiterhin als leistungsfähigen Wirtschaftsstandort stärken und die Wohn- und Lebensqualität vor Ort sichern und verbessern.

Insoweit wollen wir unseren bisherigen Erfolgskurs fortsetzen.“

Den gemeinsamen Zielsetzungen seien aber auch Grenzen gesetzt,

vor allem finanzielle Grenzen, wie dies Bürgermeister Janson in seiner Ansprache verdeutlicht hatte.

Auf den ersten Blick mögen die Haushaltsdaten ja erfreulich erscheinen.

Die Pro-Kopf-Verschuldung in der Stadt Vöhringen konnte in den letzten Jahren

kontinuierlich auf einen beispielhaften Betrag von nur mehr 125,00 € zurückgeführt werden.

Doch bereits im Jahr 2016 habe man Kreditmarktmittel in Höhe

von 4,5 Millionen € beanspruchen müssen, um unseren Haushalt ausgleichen zu können.

Fakt sei, dass Bund und Länder nach wie vor immer mehr Aufgaben auf die Kommunen übertragen, ohne für einen angemessenen Finanzausgleich zu sorgen.

Neue Aufgaben ohne finanziellen Ausgleich

dürfe es aber nicht mehr geben, die Länder dürfen dem Konnexitätsprinzip

„Wer bestellt, bezahlt“ nicht ausweichen.

Wir haben eine Fülle von Aufgaben, die wir zeitnah bewerkstelligen wollen.

Andererseits fehlen uns herfür aber wie gesagt die finanziellen Mittel.

Dies sei keine befriedigende Situation.

Auf der Agenda stehen für das Jahr 2017 gleichwohl weiterhin

Bildung, Betreuung und Erziehung, kinder- und familienfreundliche Stadt,

die Wohn- und Gewerbeflächenentwicklung, die Stadtmitte als Lebensmittelpunkt,

hier das Projekt Neue-Rathaus-Mitte oder die Neugestaltung des Bahnhofareals mit der Poliere, die Ortsteilentwicklung in Illerberg und Thal, Soziales und Intergenerationen -gerechtigkeit, die Energiewende und Klimaschutz, die Breitbandversorgung und Digitalisierung., Sport und Kultur sowie Zukunft am Fluss.

Der Umbau unserer Uli-Wieland-Schule, hier der Grundschule und Mittelschule,

ist großteils realisiert.

Was in diesem Jahr vorgesehen sei, sei die komplette und kostenintensive Neugestaltung des Pausenhofes.

Der Anbau und die Neugestaltung der Realschule sei ebenfalls abgeschlossen.

Der grundlegende Umbau und die Erweiterung des Illertal-Gymnasiums Vöhringen mit einem voraussichtlichen Kostenaufwand von ca. 18,5 Millionen € solle in diesem Jahr 2017 nun endgültig abgeschlossen sein.

Mit der Sanierung und dem Anbau der Grundschule Vöhringen Nord haben man bereits begonnen und liege absolut im Zeitplan.

Weitere Anbauten an der Kindertagesstätte St. Michael Vöhringen,

hier die Einrichtung zweier weiterer Krippengruppen und der Anbau an der Kinder-Tagesstätte „Rappelkiste“  stünden auf der Agenda.

Auch der Dorfplatz Thal, der ursprünglich schon im Jahr 2016 vorgesehen,

aber aufgrund der späten Zuschussbewilligung und Bewilligung der vorzeitigen Baufreigabe durch die Regierung von Schwaben nicht mehr gestartet werden konnte, sei im Jahr 2017 nun beabsichtigt.

Vorgesehen sei auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Neuausweisung weiterer Wohnbaugebiete wie bei der Falkenstraße und Storchenweg oder der Witzighauser Straße Nord in Illerberg.

Es fehlen Wohnungen, obwohl viele leer stehen.

Wohnen sei aber existenziell.

Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die Förderung des sozialen Wohnungsbaus müsse deshalb vorangetrieben werden.

Aber andererseits müsse wiederum gesagt werden, immer neue Baugebiete am Stadtrand können auch nicht die Lösung sein.

Auch hierin bestehe Konsens im Stadtrat, dass man einer verantwortungslos starken Flächenversiegelung entgegentreten müsse.

Auch die Ansiedlung eines größeren Gewerbebetriebes im Vöhringer Osten,

westlich der Umgehungsstraße 2031,Höhe der Abzweigung zum Recyclinghof, sei geplant.

Diverse Straßen innerhalb des Stadtgebietes gelte es zu erneuern bzw. neu zu gestalten, wie die Winterstraße und die Falkenstraße.

Die verbesserte Breitbandversorgung, sprich die Bereitstellung sog. schnellen Internets, die von der Telekom schon im letzten Jahr noch mit den Tiefbauarbeiten gestartet wurde, solle im Jahr 2017 realisiert und abgeschlossen werden.

Und viele, viele weitere kleinere Maßnahmen stünden auf der Agenda,

Die Stadt Vöhringen habe Perspektive.

Neben all diesen genannten zeitnahen Investitionsschwerpunkten hatte

Bürgermeister  Karl Janson selbstverständlich auch für die Zukunft noch genügend

Vorhaben, ja viele schöne und bereichernde Visionen wie die einer Stadtbücherei als Glaspyramide, eine kleine Kulturschranne am Rathaus, die Restauration des Vöhringer Bahnhofes im Biedermeier oder Jugendstil, einschließlich der Neugestaltung des gesamten Bahnhofareals,  ein Seerestaurant am Vöhringer Badesee, die Schaffung einer Hängebrücke im Natur- und Erlebnisraum an unserer Iller und ein Zentralklinikum Vöhringen, wie dies Bürgermeister Janson unter dem großen Beifall der Gäste schmunzelnd vermerkt hatte.

Aber, so unter Bezugnahme auf den französischen Schriftsteller Viktor Hugo,

„ein Traum sei unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten wolle.“

Man werde sich weiterhin den Herausforderungen und Aufgaben wie bisher mit großem Engagement, innerer Leidenschaft und mit Erfolg stellen, zum Wohle des Bürgers.

Ein wichtiges Polster und eine Grundlage für ein gutes Miteinander,

für mehr Lebensqualität vor Ort seien hierbei aber auch die Bürger selbst.

Vieles von dem, was zur Lebensqualität unserer Stadt Vöhringen und

ihren Stadtteilen gehört, basiere auch auf Initiativen und Aktivitäten sowie dem Engagement vieler einzelner z.B. in unseren örtlichen Vereinen und Gemeinschaften.

So nahm denn Bürgermeister Karl Janson auch diesen Neujahresempfang abermals zum Anlass, all den vielen Menschen seine Anerkennung und seinen Dank auszusprechen,  die sich mit ihrer Tatkraft, ihren Ideen und beispielhaftem ehrenamtlichem Engagement für ihre Stadt einsetzen.

Pfarrer Dr. Jochen Teuffel war der Neujahrsempfang im Jahr 500 Jahre Reformation ganz besonderer Anlass.

Dieses Ereignis habe weit über Europa hinaus Bedeutung und sei ein Signal für Aufbruch und Versöhnung.

Pfarrer Dr. Teuffel fand es bemerkenswert, dass ein katholischer Bürgermeister

diese Thematik ebenfalls schwerpunktmäßig im gesamten Jahresprogramm der Stadt würdige und dies schon gleich zu Beginn in den Amtlichen Mitteilungen.

Dies sei ein ermutigendes Zeichen, dass konfessionsverschiedene Christen in der Gegenwart über den Tellerrand hinausschauen und „gemeinsame Sache machen können“.

Er schloss seine lebendige Ansprache ebenfalls mit einem Segenswunsch für die ganze Stadt Vöhringen.

Von einem ganz echten Bezirkskaminkehrermeister, Herrn Franz Schedel,

wurden als traditioneller Glücksbringer Glückstaler im Namen der Stadt Vöhringen an die Gäste verteilt.

Der lebendige Neujahrsempfang der Stadt Vöhringen fand seine Bereicherung

ferner in den wohlgelungenen hervorragenden solistischen Gesangsbeiträgen von Frau Karin Rother und Ulrike Krügel, die mit dem bekannten „Oh happ day“

den Bogen spannten zum späteren gemeinsamen Gespräch in lockerer Runde.

Zuvor wusste aber noch die Tanzgruppe der Turnabteilung unter der Gesamtleitung von Frau Birgit Fleischer mit einem bunten und schwungvollen Tanz einen mehr als gelungenen Abschluss dieses bemerkenswerten Neujahrsempfangs der Stadt Vöhringen zu setzen.

Auch für diese Darbietung gab es viel Beifall.