Kunstausstellung „Luther im Netz“

Als Martin Luther im Jahr 1517 seine berühmten 95 Thesen veröffentlicht hatte,

war dies wohl die Initialzündung für einen Prozess, der die ganze Welt verändert hatte.

Insofern ist das 500. Jubiläum der Reformation auch der Stadt Vöhringen

Anlass, die Reformation und ihre Wirkung für unser heutiges Selbstverständnis, unsere Gesellschaft und ihre geistig-kulturelle, soziale und politische Tragweite in Deutschland sichtbar zu machen.

Allein drei Veranstaltungen im Monat März 2017 sind diesem Thema gewidmet:

Einer szenische Lesung, die sich mit dem Leben der vielseitig begabten Luthergattin Katharina von Bora auseinandersetzt, im Weiteren einem Rock-Musical mit dem Titel „Martin Luther –Rebell Gottes“ und eine außergewöhnlichen Kunstausstellung „Luther im Netz“ von Andrea E. Sroka, die ebenfalls diesem Lutherjubiläum 2017

zuzuordnen ist.

 

Die Künstlerin, Frau Andrea E. Sroka, Ulm, präsentiert im Foyer des

Kulturzentrums „Wolfgang-Eychmüller-Haus“ derzeit ein Projekt, genauer gesagt

eine moderne Collagenkollektion mit 43 Bildern zu dem Schwerpunkt Medien-revolution.

Frau Sroka hat dabei 18 Themen aufgegriffen und den Prolog aus dem Johannesevangelium „Im Anfang war das Wort“ als Leitfaden eingesetzt.

Ein großartiges Spannungsfeld zwischen Sprache und Bild, wie dies

Bürgermeister Karl Janson bei der Begrüßung im Rahmen der Vernissage dieser Ausstellung ausgedrückt hatte.

Ja, das Wort, das Wort habe damals wie heute noch eine besondere Bedeutung,

das gesprochen Wort wie auch das geschriebene Wort, so Bürgermeister Janson.

Es könne uns Inhalt sein und Zuspruch geben, es könne Hoffnung sein.

Das Wort könne aber auch verletzen, Unrecht bewirken oder unwahr sein

Auch die Zeit der Reformation war mit der Entwicklung der Sprache, des Wortes

und vor allem der Medien sehr eng verknüpft.

Der nur einige Jahrzehnte zuvor entwickelte Buchdruck hatte im frühen

16. Jahrhundert die schnelle Verbreitung von Flugschriften wie auch die schnelle Verbreitung neuer Bücher möglich gemacht.

Diese Medien standen im Mittelpunkt reformatorischer Auseinandersetzungen.

Durch die Flugschriften konnten viel mehr Menschen erreicht werden als in früheren Zeiten, wie dies Bürgermeister Janson weiter ausführte.

Sie führte schon damals zu einer Zuspitzung der Argumentation, die durchaus propagandistische Züge annehmen konnte.

Doch auch die Verbreitung von Büchern war nun leichter möglich, die Unterdrückung unliebsamer Bücher und Flugschriften wurde zu einer Sisyphusarbeit für die Obrigkeit.

Die Bibelübersetzung Luthers habe ferner auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache gehabt.

Es war nun für viele Menschen erstmals möglich, die eigene Frömmigkeit

mit Hilfe der Worte des Psalters und der Evangelien zum Ausdruck zu bringen.

Gleichzeitig sei mit der deutschen Übersetzung der Bibel und ihrer Verbreitung durch den Buchdruck das Bedürfnis nach Lesefähigkeit gestiegen.

Die Verbreitung von Flugschriften und Frömmigkeitsliteratur beschleunigte diese Entwicklung sogar.

Und heute stünden wir an einer ähnlich tief greifenden Wende in der Entwicklung der Medien.

Die Etablierung des weltweiten Internets führe zu Veränderungen im Kommunikationsverhalten, die wir erst langsam, aber umso schneller bewusst zu spüren beginnen.

Mittlerweile zähle man schon die dritte Phase des Wandels.

Bild und Sprache, das Bild und das Wort, ja sie zeigen uns bei dieser Kunstausstellung, so Bürgermeister Janson abschließend, welche ungeheure Wirkung auch die Malerei, die Kunst im Sinne dieser Vernetzung haben könne.

Frau Andrea Bäckers, Neu-Ulm, die sehr kompetent die Laudatio zu dieser Kunstausstellung sprach, setzte diese Gedanken fort und erwähnte voran, dass die Künstlerin das Motiv der Medienrevolution auf vielseitige Weise bearbeite.

Die Künstlerin spanne mit Leichtigkeit einen Bogen über 500 Jahre.

Galt damals das Buch und reformatorische Ideen Luthers als revolutionär, so revolutioniere heute das Internet in seiner Vielfalt unser Leben.

Luther stehe für Erneuerung im Glauben, das Internet gelte als die Innovation,

deren Einfluss sich wohl keiner entziehen könne und für manchen sei mittlerweile auch das Internet schon selbst eine Glaubensfrage.

In Beziehung treten, sich austauschen, kommunizieren, dies habe sich im Grunde über die Jahrhunderte in seinen Grundzügen nicht verändert.

Existenzielle Fragen, die sich die Menschen heute wie damals zu Luthers Zeiten stellen und stellten, sie werden in immer wieder neue Bedeutungskontexte gesetzt.

Sie hätten nichts an Aktualität verloren.

In diesem Sinne habe auch die Künstlerin eine spannungsvolle Beziehung zwischen Sprache und Bild geschaffen, die über die Jahrhunderte einer stetigen Bedeutungs-änderung unterworfen gewesen seien.

Mit gekonntem Pinselstrich und einfallsreichen Collagenelementen überführe die Künstlerin Martin Luther und seine Zeit in unsere Gegenwart.

Die Künstlerin, Frau Andrea E. Sroka, erwähnte in Ihren abschließenden Dankesworten, dass sie während der Erstellung dieser umfänglichen und 43 Bilder umfassenden Collagenprojektion fast Martin Luther selbst gelebt und erfahren habe.

Die musikalische Umrahmung dieser Vernissage übernahm versiert Herr Hannes Kalbrecht, Ulm, am Flügel.

Bis einschließlich 19. März 2017 können die Bilder im Rahmen anderer Veranstaltungen sowie jeweils am  Mittwoch, Samstag und Sonntag in der Zeit von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr im oberen Foyer des Kulturzentrums „Wolfgang-Eychmüller-Haus“ betrachtet werden.

Danach geht die Ausstellung nach Berlin.