Neujahrsempfang

Jahreswechsel kommen und gehen und doch spüre man in diesem Jahr eine neue Nachdenklichkeit.

Unsere moderne Gesellschaft müsse sich von einer überkommenen Weltordnung verabschieden, so Pfarrer Martin Straub in seiner Ansprache. Selten hätten sich auch Ereignisse so überschlagen wie 2015, selten seien alte Sicherheiten so schnell weggebrochen, politische Strukturen so rasant obsolet geworden. Noch bis vor wenigen Monaten schien das Morden in Syrien und den umliegenden Ländern weit entfernt zu sein – ein Problem, von dem Europa effektiv isoliert schien. Dieses Gefühl der Sicherheit sei längst vergangen.

Die Weltordnung der Nachkriegszeit sei endgültig vorbei.

Menschenrechte seien uns heilig, solange es unsere Menschenrechte sind. Freiheit müsse zuerst einmal unsere Freiheit sein, unser Leben zu gestalten, das Recht auf uneingeschränkten Konsum.

Wir seien Verbraucher geworden, die vergessen haben, dass sie auch selbständige und damit verantwortliche Bürger sind. Auf der einen Seite seien die rücksichtslosen Selbstoptimierer im ewigen Wettlauf darum, der Beste zu sein, reich zu werden, abzuzocken – auf der anderen eine immer größere Klasse von Verlierern, von Ängstlichen, die ihren Wohlstand bedroht sehen, von Ausgeschlossenen, die niemals eine echte Chance haben werden – und derer, die ihre Privilegien bedroht sehen.

Dazu komme: Der liberale Traum werde in Gesellschaften gepredigt, die mehr denn je überwacht, kontrolliert und bespitzelt werden, in denen wichtige Entscheidungen hinter verschlossenen Türen von einer Wirtschaftselite getroffen zu werden scheinen und der träge Mechanismus der Demokratie oft nur noch wie Schaufensterbehübschung wirke.

Höchstes Ziel sei die Erhaltung des Status quo, die Verteidigung des erreichten Wohlstandes. Es sei dies eine Auseinandersetzung, die sich auf allen Ebenen abspiele und deren Resultat völlig offen sei. Eines müsse uns aber bewusst sein: Wir können den autoritären Traum eines Islamischen Staates nicht mit Börsenkursen widerlegen. Vielleicht haben wir uns auf Zahlen zurückgezogen, weil wir denkfaul geworden sind.

Wir stehen vor entscheidenden Jahren: Der Traum von Freiheit und Recht, der noch eine globale Anziehungskraft ausübe, müsse sich selbst neu Denken und seine Wurzeln neu erschließen. Migration und Klimawandel würden die Gesellschaften Europas in den nächsten Jahrzehnten vor große Herausforderungen stellen und umgestalten.

Das sei eine historische Aufgabe, um den kühnen und verwundbaren Traum von den Rechten aller Menschen weiter zu realisieren, die Grenzen unserer Solidarität weiter zu stecken und der Erlösung des Menschen zu dienen.

 

Bürgermeister Karl Janson griff diese Grundthematik ebenfalls in seiner Neujahrsansprache auf.

Was uns in diesem Jahr 2015 besonders nachdenklich gemacht habe, wären vor allem die vielen weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen,  die große Gewaltbereitschaft, all der unmenschliche Terror wie er sich zuletzt in Paris gezeigt habe, gewesen.

Milliarden Menschen würden noch immer an Hunger leiden und in existenzieller Armut leben. Millionen von Menschen seien auf der Flucht, so viele Menschen weltweit wie noch nie in der Geschichte. Man könne diese Bilder tagtäglich am Bildschirm und in den Medien mitverfolgen.

Insofern schaue man doch auch etwas mit Sorge und mit gewisser Skepsis und Ängsten auf das Neue Jahr 2016.

Und tatsächlich, erstmals seit Jahren gehe die Mehrheit der Deutschen eher mit Angst und gemischten Gefühlen als mit Zuversicht und Optimismus ins kommende Jahr, wie dies einige namhafte Meinungsforschungsinstitute jüngst feststellten.

Und doch, so Bürgermeister Janson, sei es Zeit, Zeit neue Türen zu öffnen, neuen Anfängen zu vertrauen. Die großen weltpolitischen Ereignisse, aber auch die Ereignisse im Kleinen vor Ort hätten gerade im vergangenen Jahr deutlich gezeigt, wie wichtig offene Türen seien. Offene Türen würden dazu einladen, einzutreten, um Gastfreundschaft zu erfahren. In Zeiten so vieler unmenschlicher Gewalt, von Terror und herzlosem Krieg, in Zeiten von Armut, Hunger und Elend sollte die Tür zu mehr Mitmenschlichkeit und vor allem mehr Barmherzigkeit geöffnet werden.

Gehen wir deshalb zuversichtlich, hoffnungsfroh und gelassen das Neue Jahr an.

Lassen wir uns auch nicht von den vielen weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen, von Terror und Gewalt, von der großen Armut und Hunger in vielen Ländern der Erde, den vielfältigen sozialen Ungerechtigkeiten und all den vielen Verbrechen gegen die Menschlichkeit lähmen.

Jeder sei gefordert, sich nach seinen persönlichen Möglichkeiten mit einzubringen und an einer Verbesserung dieser höchst unbefriedigenden Situationen mitzuwirken. Dies gelte umso mehr, als wir in unserem eigenen Land, in einem noch immer von Sicherheit und Wohlstand, vor allem aber von Frieden geprägtem Land leben dürfen.

Sodann listete Bürgermeister Karl Janson einige Schwerpunkte auf, die auf der kommunalpolitischen Agenda stehen.

Bildung sei Zukunft. Deshalb engagiere man sich nicht nur im Landkreis Neu-Ulm als 1. Bildungsregion Bayerns, sondern auch in unserer Stadt Vöhringen weiterhin sehr stark für ein qualitatives Bildungsangebot, angefangen bei unseren Kleinsten in den Kindertagesstätten, in unseren örtlichen Grundschulen, der Realschule dem Gymnasium, der Musikschule bis hin zur Volkshochschule. Man wolle auch weiter an dem Prädikat als besonders kinder- und familienfreundliche Stadt arbeiten und auch neue Akzente setzen, wie insbesondere im konkreten Angebot unserer Kindertagesstätten.

Einen besonderen Schwerpunkt wolle man in diesem Jahr hierbei im Rahmen des staatlichen Förderprogramms „Wohnpaket Bayern“ mit der Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum setzen.

Die Neugestaltung des Kirchplatzes sei bereits in Rekordzeit abgeschlossen.
Die Neugestaltung der Bahnhofstraße und des Bahnhofes im 2. Abschnitt sowie die Neugestaltung der Neuen Rathaus-Mitte stünden an.
Alle diese Vorhaben sollten unsere städtische Infrastruktur nachhaltig verbessern und eine ganz neue Attraktivität schaffen.

Auch die Ortsteilentwicklung in Illerberg/Thal wolle man fortsetzen und den Stadtteil Illerberg-Thal zukunftsfähig und attraktiv machen.

So werde in Kürze die Neugestaltung des Dorfplatzes in Thal in Angriff genommen.

Wichtig erscheine auch, so Bürgermeister Janson, die soziale Gerechtigkeit und die Intergenerationengerechtigkeit nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Energiewende sei eine der zentralen Antworten auf den Klimawandel. Oft habe man zwar den Wunsch, die Auswirkungen auf die unmittelbare Umwelt zu reduzieren, jedoch wisse man nie so richtig, wie und wo man beginnen solle. Vor diesem Hintergrund würden kommunale Energiekonzepte an Bedeutung gewinnen. Man habe deshalb bereits einen Energienutzungsplan für die Stadt Vöhringen und alle unsere Stadtteile erstellen lassen, der in Kürze vorgestellt werde.

Auch die flächendeckende Versorgung unseres gesamten Landes, der Bundesrepublik wie auch des Freistaates Bayern, mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen und der Aufbau von Hochleistungsnetzen seien wichtige Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum, mehr Beschäftigung und steigenden Wohlstand. Sie seien für die Wirtschaft und Gesellschaft mittlerweile so bedeutend wie Straßen und Schienen, wie Flüsse und Kanäle oder wie Gas-, Wasser- und Stromverteilnetze. Die Stadt Vöhringen habe sich deshalb unverzüglich an dem neuen Förderprogramm Bayerns beteiligt, welches nun in die konkrete Umsetzung für den Ausbau von modellhaften Hochgeschwindigkeitsversorgungen mit einer Mindestbandbreite von 50 Mbit/s gehe. Die Vergabe sei bereits erfolgt.

Abschließend lud Bürgermeister Karl Janson die Gäste zum diesjährigen 2. Iller-Musik-Festival ein, einem interkommunales Kulturereignis der fünf Nachbarkommunen an der Iller, nämlich von Altenstadt-Illertissen-Bellenberg-Vöhringen-Senden, welches sicherlich mit einer großen musikalischen Bandbreite und Lebendigkeit eine kulturelle Bereicherung darstellen werde.

 

Pfarrer Dr. Jochen Teuffel lobte in seinem Grußwort den guten Zusammenhalt in der Stadt Vöringen, der sich in vielen Bereichen, insbesondere auch im Vereinsleben beweise.

Vöhringen sei zweifelsohne keine bloße Schlafstätte, sondern ein lebendiger Gemeinschaftsort.

Für jedes Stadtratsmitglied übergab Pfarrer Dr. Teuffel an Bürgermeister Janson für die erfolgreiche Arbeit im Jahr 2015 eine süße Praline.