Einweihung der Aussegnungshalle Vöhringer Friedhof Nord

Es hat sich gelohnt, das historische Erscheinungsbild der Fenster, Türen und Arkaden zu erhalten.
Die Aussegnungshalle am Vöhringer Friedhof Nord kann als bauliches Schmuckstück bezeichnet werden.
Die Gesamtkosten dieser Generalsanierung liegen bei ca. 350.000,00 €.
Bürgermeister Karl Janson betonte in seiner Ansprache, dass sich im Umgang mit den Toten immer auch die Würde zeige, die wir den Lebenden zubilligen.
Wert und Würde kommen einem Menschen nicht nur im Leben zu, sondern reichen über den Tod hinaus.
Deshalb sei die Bestattungskultur einer Gesellschaft ein Ausdruck von Humanität und des Umgangs auch mit Lebenden.
Friedhöfe seien gemeinschaftliche Orte der Erinnerung.
Der Umgang mit den Verstorbenen sei immer auch ein Zeichen der Verbundenheit mit den Verstorbenen Angehörigen und Mitbürgern über deren Tod hinaus.

Das Sterben werde heutzutage meist aus dem Alltag, aus unserem Leben verdrängt.
Aber auch das Sterben brauche einen Platz in unserem Leben.
Ein Friedhof beheimate uns auch, weil wir die Namen der Toten kennen.
Die Beziehung der Menschen zueinander gehe über den Tod hinaus.
Wir vergessen die Toten nicht, sie sind Teil unseres Lebens.
Wir erinnern deren Namen und haben öffentliche Orte der Trauer.
Gerade in einer Zeit zunehmender Mobilität, in der feste familiäre Bindungen immer mehr auseinander zu fallen drohen, so Bürgermeister Karl Janson, seien Friedhöfe als Ort der Erinnerung nötig, weil sie auch uns beheimaten.
Der Friedhof sei ein Ort der Gemeinschaft und Würde des Menschen über den Tod hinaus.
„Aussegnen“, das heiße, dass wir einen Menschen verabschieden aus seinem Haus, dass wir ihn nicht abschieben, sondern in Würde aus dem Haus segnen.
Öffentliche Friedhöfe bilden Orte für alle Trauernden auch außerhalb der Familie.
Friedhöfe seien keine Orte, die Angst machen, sondern ein Ort der Freude, der Hoffnung, ein Ort des Friedens, ein Ort, der die Würde des Toten bis zum Ende erhalte.

Pfarrer Dr. Jochen Teuffel nahm Bezug auf die Lesung aus dem Zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther im 5. Kapitel, wo es heißt:
Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel. Im gegenwärtigen Zustand seufzen wir und sehnen uns danach, mit dem himmlischen Haus überkleidet zu werden.So bekleidet, werden wir nicht nackt erscheinen. Solange wir nämlich in diesem Zelt leben, seufzen wir unter schwerem Druck, weil wir nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, damit so das Sterbliche vom Leben verschlungen werde.

Der Apostel Paulus spreche vom irdischen Zelt unseres Lebens und damit sei ja die ganze Vorläufigkeit angesprochen.
Wir leben hier auf Erden wie in einem Zelt, das irgendwann abgebrochen werden muss.
Was auf Ewigkeit halte, seien keine Stoffzelte, egal mit welchem Lebensfaden gewebt oder mit welchem Garn auch immer zusammengenäht.
Das Leben dem Altern ausgesetzt halte unter uns nicht hier auf Ewigkeit.
Wenn es mit dem Tod soweit sei, habe es sein Gutes, dass hier auf dem Friedhof noch einmal ein irdisches Zelt offen sei – in der Tat, der spitze Dachgiebel gebe der Aussegnungshalle die Form eines Zeltes.
Häuser, Zelte, ja Hauszelte begrenzen und beheimaten zugleich, so der evangelische Pfarrer Dr.Teuffel, auf dass niemand auf weitem Raum einfach verloren ist.
Das sei ja gerade im Todesfall so wichtig, dass es einen Ort gebe, wohin wir gemeinsam gehen, worin wir uns gemeinsam mit unserer Trauer und mit dem Abschiednehmen und -geben einfinden.
Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.

Anschließend nahm Stadtpfarrer Michael Menzinger die kirchliche Segnung der Aussegnungshalle vor.
Musikalisch umrahmt wurde die offizielle Feierstunde von Gisela Brocke, Gesang, und Max Kempfle, Piano.
Die passenden und ausdrucksvoll vorgetragenen Liedtexte gaben der offiziellen Einweihungsfeier noch eine besondere Note.
Bürgermeister Karl Janson dankte allen, die sich bei der Generalsanierung mit eingebracht hatten.
Mehr als zwanzig Firmen waren verpflichtet worden.
Sein besonderer Dank galt Herrn Architekt Guido Schmölz, der die Generalsanierung hervorragend fachlich begleitet habe.
Sein Dank galt ferner Herrn Jürgen Saile für die Planung der Elektroarbeiten und Herrn Rudolf Bucher für die sehr gelungene Renovation des Altars in der Aussegnungshalle.
Nicht zuletzt dankte Herr Bürgermeister Karl Janson Herrn Timo Söhner vom Stadtbauamt.
Er habe die Aufgabe der Sanierung der Aussegnungshalle gleichfalls sehr kompetent und mit viel Herzblut begleitet.