Ausstellungseröffnung Masken – Eine fotografische Reise zum andern Ich

Man fühlte sich bei dieser Vernissage fast schon wie auf dem Maskenball in Venedig: wunderschöne, farbenfrohe Bilder von Masken, fantasievolle venezianische Gestalten und anderes Accessoires.
Ganz besondere Aufmerksamkeit zogen aber von Beginn an auch zwei zauberhafte  Eisprinzessinnen auf sich, die sich freundlich und geheimnisvoll unter die Gäste gemischt hatten.
„Masken, so Bürgermeister Karl Janson, verstellen, ja sie verkörpern fast ein Geheimnis. Wir setzen sie hin und wieder gerne auf und verbergen so unser Inneres. Dies wussten Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen. Man kann durch die Maske problemlos in eine andere Rolle schlüpfen. Dies mache auch sicherlich Spaß.
Die Maske könne aber auch schnell zum zweiten Gesicht werden und den Blick auf die Wirklichkeit nehmen. Ralf Hoffmann, der versierte Fotograf, er habe bei seiner fotografischen Reise, in seinen eindrucksvollen Fotografien all diese Verstellung, Sinnlichkeit, aber auch die Lust und Freude, in eine andere Maske, in eine andere Rolle schlüpfen zu dürfen, vortrefflich und ausdrucksvoll dargestellt. Die Bilder lassen den Betrachter staunen, bewundern, ja geheimnisvoll verzaubern.“

Johann Gutter, Realschulrektor und Mitglied des Vöhringer Stadtrats und Kulturbeirats der Stadt Vöhringen, äußerte sich in seiner Laudatio ähnlich. Masken seien Verheißung und Versprechen, Fassade und Schutz – trügerisch, geheimnisvoll und zugleich herausfordernd. Er erinnerte an zahlreiche Helden der jüngeren Filmgeschichte wie Zorro und Batman, die Masken anlegten, um ihre wahre Identität hinter diesen Masken zu verbergen und um ihr besonderes Anliegen über ihre eigene Persönlichkeit zu stellen. Im Laufe der Jahrtausende hätten Masken die verschiedensten Rituale und Zeremonien begleitet, und sie hätten ihre Träger vor spirituellen Angriffen oder – als Teil einer Rüstung – auch vor körperlichen Attacken geschützt. Auch unzählige Künstler, Schriftsteller und Philosophen seien immer wieder von Masken fasziniert gewesen. In zahlreichen Werken spielten sie eine große Rolle, ein Symbol für Täuschung, Betrug, Falschheit und Entmenschlichung. Auf den ersten Blick unsichtbar seien auch die Masken des Alltags. Sie sind das aufgesetzte Lächeln, das Verhalten, das wir uns aneignen, das eigentlich nicht zu uns passt, aber in bestimmten Situationen vorteilhaft ist.

Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen. Eine wahrlich gewichtige Aussage! So erinnerte der Laudator Johann Gutter auch daran, dass es in der Stadt Venedig mehr als hundert Jahre lang üblich war, dass alle Beratungen und Abstimmungen im Rat der Stadt maskiert und darüber hinaus auch mit verstellter Stimme zu erfolgen hatten. Üblich sei damals als Verkleidung zunächst die sogenannte Baùta, ursprünglich ein Umhang, der über dem Tabarro, einem weißen Cape getragen wurde, gewesen. Mit dieser Verkleidung und der weißen Maske konnte man auch außerhalb des Rates und außerhalb des Karnevals unerkannt umherstreifen, und das wurde umfangreich auch getan.

Erst als man in den Jahrzehnten der wirtschaftlichen Erholung nach dem 2. Weltkrieg in ganz Europa wieder begann, die Erinnerung an den Wert der eigenen Vergangenheit und der eigenen Kultur neu zu entdecken und hochzuhalten, belebten venezianische Studenten und Geschäftsleute den „ Carnevale di Venezia“ erneut. Das sei natürlich eine geniale Marketing-Idee gewesen, die das Ansehen der Stadt nochmals aufpolieren konnte, hatte man doch neben der Kunstausstellung Biennale und den Internationalen Filmfestspielen und einigen weiteren Besonderheiten einen willkommenen Publikumsmagneten, der in den letzten zehn bis zwölf Tagen vor dem Aschermittwoch täglich Zehntausende von finanzkräftigen Besuchern in die Stadt locken konnte.
Und plötzlich waren sie wieder da, die alten Kostüme und die Masken nach den historischen Vorbildern der commedia dell` arte, die Baùta mit dem vorgewölbten Kinn, die Zanni mit der langen spitzen Nase, die Augen-Nasenmaske des Dottore, die Pulcinella mit der Vogelnase, die volle Gesichtsmaske des  Arlechhino, des Harlekins, die Volto oder auch Larva genannte Vollmaske, die Halbmaske der Colombina, oder die Maske der Moretta, die, weil sie mit dem Mund gehalten wurde, die Trägerin zum Stillschweigen zwang, und sogar die Maske des Medico della pesta, des Pestdoktors mit der langen Rüsselnase tauchte wieder auf.
Und doch ist alles ein wenig anders: Es wird den Menschen kein Spiegel ihres Charakters mehr vorgehalten (denn das taten die alten Masken), sondern man flüchtet heute in die Fantasie und in Traumwelten. Die Kostüme werden von Jahr zu Jahr prächtiger, ungebundener, freier, fantasievoller, die Masken aufwändiger, wahre Kunstwerke, und - keine Maske in ganz Venedig gleicht der anderen.