25 Jahre Deutsche Einheit - 25 Jahre Städtepartnerschaft Hettstedt-Vöhringen

Vöhringen feierte sehr würdevoll und fröhlich am 3. Oktober 2015 das Doppeljubiläum 25 Jahre Deutsche Einheit und 25 Jahre Städtepartnerschaft zwischen den beiden Kommunen Hettstedt und Vöhringen.
Die offiziellen Feierlichkeiten waren nicht nur ein äußerst lebendiges und
sichtbares Zeichen der Freude und Dankbarkeit, sie wurden auch zum großen Plädoyer der Freiheit.

Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete der ökumenische Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael.
In diesem Gottesdienst kam nicht nur der Dank zum Ausdruck, sondern auch die Fürbitte für das zukünftige Zusammenleben in Deutschland.
Pfarrer Martin Straub sprach in seiner Predigt die Mahnung aus, dass, heute
am 25. Jahrestag der Deutschen Einheit, der dringende Appell der Freiheit ebenso klar und neu erklingen müsse – nicht nur als unbestimmtes Gefühl, sondern gemein-sam mit jenen Grundlagen, die die Freiheit erst ermöglichen und sie auf Dauer garantieren können.
In dieser geschichtlichen Stunde, in der Deutschland und Europa durch die Flüchtlingskrise vor neuen epochalen Herausforderungen stehen, sollte dieser Appell ein weitreichendes Echo haben und auch jene Völker erreichen, denen bis heute das Recht auf Selbstbestimmung verweigert wird, bei denen die Grundfreiheiten der Person – die Glaubens- und Gewissensfreiheit und die politische Freiheit – nicht gewährleistet sind, so Pfarrer Martin Straub.
Eindrucksvoll war auch die musikalische Umrahmung dieser kirchlichen Feier durch den Männerchor "Vorwärts" Hettstedt e. V., der mit dem Lied „Das ist der Tag des Herrn“ einen besonderen Akzent zu setzen wusste.
Zuvor war man bei strahlendem Sonnenschein, einer bunten Schar der Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine wie mit dem Hettstedter Männerchor „Vorwärts“ und dem Hettstedter Spielmannszug „Blau-Weiß“ 1919 sowie einer Vielzahl von Vertreter aus Wirtschaft, Schule, Politik und kommunalem Leben wie insbesondere auch der Bürgerschaft in die Pfarrkirche eingezogen.
Beim anschließenden Festakt im vollbesetzten Saal des Kulturzentrum
„Wolfgang-Eychmüller-Haus“ begrüßte Bürgermeister Karl Janson freudig die Gäste.
Er erinnerte an die bewegenden und unvergessenen Bilder, als sich im Jahr 1989 die Mauer öffnete.
Es war eine glückliche Fügung unserer Geschichte, dass eine Grenze,
die so lange nahezu unüberwindbar schien, plötzlich aufgehoben war, und dass
Ost- und Westdeutsche wieder zusammenfanden.
Aber auch die seit dem Jahre 1990 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Vöhringen und Hettstedt in Sachsen-Anhalt habe vielfältige Kontakte unter den
Menschen beider Städte, den örtlichen Vereinen und Organisationen, zustande gebracht, Kontakte, die zwischenzeitlich auch durch manche dauerhafte persönliche Freundschaften gefestigt wurden.
Diese Städtepartnerschaft habe mit das Fundament für die kommunale Solidarität gelegt und sie war wesentliche Grundlage für den Aufbau der kommunalen Selbst-verwaltung in Hettstedt.
Die beiderseitige Städtepartnerschaft werde auch, so Bürgermeister Janson,
künftig einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und zum Ausbau der inneren Einheit und der kommunalen Selbstverwaltung leisten.
„Und ich denke, wir dürfen wirklich froh und dankbar sein, dass die beiden
deutschen Staaten wieder vereinigt sind und dass wir diese Teilung vor allem auf friedlichem Weg und ohne Gewalt überwinden konnten.
Dass wir die Einheit wiedererlangten, dass wir heute ein Leben in
Recht und Freiheit für alle haben, das verdanken wir vor allem einer couragierten entschlossenen Bürgerbewegung und jenen Politikern, die die Gunst der Stunde zu nutzen wussten.
Wir haben innerdeutsch bewiesen, dass wir Grenzen abbauen, Mauern einreißen und friedlich zusammenleben können.
Menschen werden immer Mauern einreißen.
Der Wille zur Freiheit lässt sich nicht dauerhaft unterdrücken, nicht mit Gesetzen, nicht mit Mauern und nicht mit Stacheldraht.
Gesellschaft ist veränderbar.
Nichts aber geht über Menschenrechte.
Werden diese nicht gewährleistet, werden Menschen aufbegehren und danach streben, diese Rechte wahrzunehmen.
In diesem Sinne ist der Tag 25 Jahre Deutschen Einheit,
25 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Hettstedt und Vöhringen, ein Tag,
der uns allen Mut machen und Hoffnung für die Zukunft geben soll.
Einheit, Freiheit, Demokratie, aber auch Zusammenhalt, Identität, Kultur und
Heimat und Freundschaft, dies sind Werte, die uns Ermutigung gerade für die Zukunft sein können.
Freiheit und Frieden sind ein unbezahlbares Geschenk, die Deutsche Einheit ist ein unfassbares deutsches Glück“, so abschließend Bürgermeister Karl Janson.
Der Ehrenbürger der Stadt Vöhringen, Herr Landrat a.D. Erich Josef Geßner,
betonte in seiner Festansprache, dass die Stadt Vöhringen einen Tag vor dem Erntedankfest die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes und ihr 25-jähriges Partnerschaftsjubiläum mit der Stadt Hettstedt feiere, sei zwar eher zufällig, doch im Grunde genommen habe das Erntedankfest, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Partnerschaft zwischen den Städten Hettstedt und Vöhringen für ihn als Christen viel miteinander zu tun.
Die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes und das Partnerschaftsjubiläum
seien nämlich Ergebnis und Ernte, Frucht mühevoller Arbeit, geleistet nicht nur auf diplomatischer und politischer Ebene, sondern auch und insbesondere von den Bürgerinnen und Bürgern, die sich das Recht auf freie Meinungsäußerung erkämpft und mit ihrem Mut eine Zeitenwende eingeleitet haben.
Nach 45 Jahren schmerzlicher Teilung habe sich am 3. Oktober 1990 für viele Menschen in Deutschland mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands ein Traum erfüllt.
Die Menschen im Osten unseres Vaterlandes hätten in einer friedlichen Revolution im Herbst 1989 die Ketten der Unfreiheit gesprengt.
„Als die Mauer zerbrach und die Wiedergewinnung der deutschen Einheit zu einer realen Möglichkeit wurde, wähnten wir uns alle glücklich, Zeugen eines historischen Geschehens zu sein.
Doch der Poesie des Aufbruchs folgte alsbald die nüchterne Prosa der politischen Kleinarbeit und der Besinnung auf die kleinen Interessen.
Vielleicht kann das nicht anders sein; aber ein Wort des Bedauerns, dass der Schatten des Alltäglichen sich so schnell auf diese große historische Stunde gelegt hat, scheint mir dennoch angebracht!
Ich kann und will als Zeitzeuge nie vergessen, wie die Mauer, die uns Jahrzehnte voneinander getrennt hat, gefallen ist und die Menschen aufeinander zugegangen sind, um sich als Brüder und Schwestern in die Arme zu schließen.
Wir sollten uns immer wieder an diese Stunden erinnern, weil uns aus dieser Erinnerung eine Kraft zuwachsen kann, mit der wir die Probleme der Gegenwart, - ich denke hier insbesondere an die Flüchtlingsströme -, so schwierig sie auch immer sein mögen, bewältigen können.
Die politische Einheit ist zwischenzeitlich erreicht, das Zusammenwachsen unseres Volkes ist aber noch ein Ziel. Zu viele Vorurteile behindern noch immer dieses Zusammenwachsen, Vorurteile, die wir abbauen müssen.
Wir Deutschen in West und Ost sollten jedoch stolz sein auf die Friedliche Revolution in der DDR und die ebenfalls friedlich wiedererlangte Einheit unseres Vaterlandes! Nach so viel Unheil und Barbarei, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in deutschem Namen über die Welt gekommen ist, ist beides ein Jahrtausendwunder!
Und vergessen wir Vöhringer auch nie: Ohne die Öffnung der Mauer in Berlin und der innerdeutschen Grenzen am 9./10. November 1989 wäre es wohl nie zu einer Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Hettstedt in Sachsen-Anhalt und der Stadt Vöhringen und später zu der Landkreispartnerschaft zwischen dem damaligen Landkreis Hettstedt und dem Landkreis Neu-Ulm gekommen.
Der damalige Bürgermeister Gerhard Fingas, der zuvor schon Kontakt aufgenommen hatte und erfreulicherweise heute unter uns weilt, zeigte sich mit seinem Stadtrat und seiner Stadtverwaltung sehr aufgeschlossen für eine Städtepartnerschaft seiner Stadt mit der Stadt Vöhringen.
Landrat a.D. Erich Josef Geßner schloss seine Festansprache mit einem
herzlichen Dank an alle, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass unser Vaterland vor 25 Jahren wiedervereinigt wurde und an alle Menschen, die dazu beigetragen haben und noch heute dazu beitragen, dass die Städtepartnerschaft zwischen Hettstedt und Vöhringen lebendig ist und bleibt.
Namentlich erwähnte er den Bürgermeister, mit dem er die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet habe, Herrn Gerhard Fingas, den langjährigen Bürgermeister der Stadt Hettstedt, Herrn Jürgen Lautenfeld, der mehr als zwei Jahrzehnte die Geschicke der Stadt Hettstedt mitgelenkt hat und Herrn Bürgermeister Karl Janson.
Bürgermeister Janson und der ehemalige Bürgermeister Lautenfeld seien Garanten dafür, dass die Städtepartnerschaft auch künftig gelingen wird.
Landrat Thorsten Freudenberger zitierte in seinem Grußwort den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Wie gut uns die Einheit gelingt, das entscheiden kein Vertrag, keine Verfassung, nicht der Gesetzgeber. Das richtet sich nach dem Verhalten eines jeden von uns.“
Das sei mit Vöhringen und Hettstedt längst geschehen.
Dankesworte richtete Freudenberger an Altlandrat Geßner, der zusammen mit dem ehemaligen Hettstedter Bürgermeister Gerhard Fingas Weitblick bewiesen habe.
Mentoren und Motoren der Partnerschaft seien jetzt Bürgermeister Janson und sein Amtskollege Danny Kavalier aus Hettstedt.
Die Partnerschaft müsse von den Menschen gelebt werden.
In dieser Stunde müsse man aber auch der Menschen gedenken, die unter Mauer, Stacheldraht und Unterdrückung gelitten hätten.
Für den amtierenden Bürgermeister von Hettstedt, Herrn Danny Kavalier war das Jahr 1989 ein Lichtblick der deutschen Geschichte.
Die Einheit konnte in Freiheit und in Frieden geschafft werden.
Die Anfänge unserer Partnerschaft waren daher nicht ganz leicht.
Wir sprachen alle deutsch, aber doch nicht immer ganz dieselbe Sprache.
Und damit meine ich, so Bürgermeister Kavalier, nicht die unterschiedlichen mundartlichen Färbungen unserer Regionen.
Vielmehr hat die Zeit der Teilung ihre Spuren hinterlassen, auch wenn wir natürlich auf Jahrhunderte einer gemeinsamen Geschichte zurückblicken.
Doch die Menschen aus unseren Städten sind aufeinander zugegangen und haben sich füreinander interessiert.
Sie wollten wissen, was die Menschen im anderen Teil Deutschlands bewegt, wie sie wirklich denken und was sie von der Zukunft erwarten.
Unsere Städtepartnerschaft kann heute, in ihrem Jubiläumsjahr, auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit bei vielen Projekten zurückblicken sowie auf viele Begegnungen, die den Beteiligten viel gegeben haben.
Und sie hat, davon war Bürgermeister Kavalier ebenfalls überzeugt, eine gleichfalls erfolgreiche Zukunft vor sich. 
In der Partnerschaft zwischen Hettstedt und Vöhringen sah er eine gute Kooperation mit einem großen Potenzial.
Der 3. Oktober sei insofern aber auch nicht irgendein Datum, es müsse Ansporn sein, immer wieder für die Freiheit einzustehen.
Freiheit finde vielleicht nie Vollendung, sie müsse nicht nur immer wieder gelebt werden, sie müsse auch immer wieder neu ausbalanciert werden, und sie müsse auch immer wieder neu an die Jüngeren vermittelt werden.
Freiheit müsse immer wieder neu erkämpft werden, selbstverständlich sei sie nicht.
Der vormalige und langjährige Bürgermeister von Hettstedt, Herr Jürgen Lautenfeld, stellte eingangs seines Grußwortes die persönliche Frage: 25 Jahre Deutsche Einheit und 25 Jahre Städtepartnerschaft Hettstedt und Voehringen - wer von unserer Generation hätte je daran gedacht?
Es war wie ein Traum und als es Wirklichkeit wurde, konnte man es kaum glauben.
Er erinnere sich noch heute sehr gern an die herzlichen Begegnungen und wenn er daran denke, bekomme er noch heute Gänsehaut.
Es sei aber nicht nur die Hilfe für uns gewesen, es seien auch viele persönliche Freundschaften entstanden, die bis heute halten.
Hettstedts ehemaliger Bürgermeister Jürgen Lautenfeld dankte der
Stadt Vöhringen mit Erich Josef Geßner, die Hilfe geleistet haben als die kommunale Selbstverwaltung noch in der ehemaligen DDR in den Kinderschuhen steckte. „
Die Städtepartnerschaft werde durch die Jugend weiter getragen und man werde sich auch in Zukunft derer erinnern, die vor 25 Jahren das ermöglicht haben, dass wir wieder ein Deutschland wurden.
Darauf sollte man stolz und dankbar sein.
Mit der Bayern-Hymne und dem Deutschlandlied endete eine mehr als eindrucksvolle Gedenk- und Dankesfeier.
Die Stadt Vöhringen hatte bestens ein tolles Fest organisiert.
Respekt und Anerkennung gilt allen Mitwirkenden und Beteiligten.
Möge den beiden Städten und dem ganzen Land auch weiterhin eine erfolgreiche, eine friedvolle und große glückliche Zukunft beschieden sein.